Finanzen
Geldanlage im Alter: Strategien für die goldenen Jahre
Mit zunehmendem Alter wird die Geldanlage zur Herausforderung. Experten erläutern, wie Senioren ihr Vermögen klug verteilen und Risiken minimieren können.

Das Sprichwort "Je früher, desto besser" bekommt im Alter eine ganz neue Bedeutung. Wenn die Lebensjahre weniger werden, bleibt oft weniger Zeit, um von den Zinseszinseffekten zu profitieren. Doch auch für Senioren gibt es zahlreiche Anlagemöglichkeiten, die es zu erkunden gilt. Finanzberater Kevin Kronauer betont: "Es kommt vor allem darauf an, Risiken zu minimieren und die richtige Gewichtung der Anlagen zu finden." Doch wie geht man dabei strategisch vor?
Zuallererst ist es wichtig, den eigenen Vermögensbestand zu überblicken. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt, das Vermögen in vier Hauptkategorien zu gliedern: Sicherheit, Aktien, Immobilien und Rohstoffe. Der erste Stapel umfasst sichere Anlagen wie Tagesgeld und Anleihen, während der zweite Stapel auf Aktienfonds und ETFs verweist. Immobilien bilden den dritten Stapel, und zum Schluss sind Rohstoffe wie Gold zu nennen.
Die jährlichen Kosten und Laufzeiten der Produkte spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Eine Diversifikation über verschiedene Anlageklassen kann helfen, Risiken zu streuen. Produkte mit hohen Kosten und mageren Renditen sollten schnellstmöglich überdacht oder gar verkauft werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, wie viel Geld für die nächsten Jahre benötigt wird. Lebenshaltungskosten, geplante Reisen oder sogar Renovierungen sollten in die Kalkulation einfließen. Kevin Kronauer rät, einen Liquiditätstopf einzurichten, auf den jederzeit zugegriffen werden kann, ohne das Geld auf einem zinslosen Girokonto zu parken. Tages- oder Festgeldkonten bieten hier bessere Optionen, und auch Geldmarkt-ETFs können eine attraktive Möglichkeit sein, um kurzfristige Liquidität zu sichern.
Doch was ist mit dem Geld, das vorerst nicht benötigt wird? Wenn der Gedanke an eine mögliche Vererbung besteht, sollte der Anlagehorizont über die eigene Lebenserwartung hinausgehen. Markus Latta empfiehlt, die Erben frühzeitig in Gespräche einzubeziehen, um sicherzustellen, dass sie im Bedarfsfall nicht auf ein schlecht performendes Investment angewiesen sind.
Für den eigenen Vermögensaufbau sollte ein Teil des Geldes in Wachstumsanlagen investiert werden. Breite ETF-Depots sind hier ein gutes Mittel, um von den langfristigen Renditen der Aktienmärkte zu profitieren. Allerdings bleibt das Risiko, dass nicht jeder Anleger die Zeit hat, um die Schwankungen des Marktes auszusitzen. Niels Nauhauser macht deutlich, dass auch in Zeiten einer positiven Marktentwicklung immer Unsicherheiten bestehen.
Schließlich gibt es auch Produkte, von denen Senioren besser Abstand nehmen sollten. Bausparverträge und teure Mischfonds stehen hier auf der Liste. Diese bieten oft mehr Kosten als Nutzen. Zudem erleben viele Senioren, dass sie ihr Vermögen über Jahre hinweg nicht investiert haben. Wenn sie dann endlich aktiv werden wollen, neigen sie zu spekulativen Anlagen, was häufig zu Verlusten führen kann. Es ist entscheidend, sich frühzeitig mit der Geldanlage auseinanderzusetzen und nicht erst im Alter auf den fahrenden Zug aufzuspringen.
mit dpa