Finanzen
EZB-Zinserhöhungen: Banken bleiben hinter Erwartungen zurück
Nur wenige Banken geben die Zinserhöhungen der EZB an ihre Kunden weiter. Ein Vergleich zeigt, dass die Mehrheit der Institute weiterhin geringe Zinsen bietet.

Die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat wenig Bewegung in die Zinsen der Banken gebracht. Obwohl die EZB den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben hat, profitieren die Kundinnen und Kunden nur bei wenigen Banken von diesen höheren Zinsen. Das Vergleichsportal Biallo hat in seiner Untersuchung herausgefunden, dass lediglich 12 von 800 analysierten Banken ihre Tagesgeldzinsen in den zwei Wochen nach der EZB-Anhebung um mindestens 0,20 Prozentpunkte erhöht haben. Auffällig ist, dass unter diesen Anbietern keine Sparkasse oder Volksbank zu finden ist.
Das Ergebnis dieser Untersuchung ist ernüchternd. Während die EZB ihre Zinspolitik gezielt zur Stabilisierung der Wirtschaft einsetzt, bleibt die Weitergabe dieser Vorteile an Verbraucherinnen und Verbraucher oft aus. Dies führt dazu, dass viele Sparer weiterhin mit mageren Zinsen leben müssen, während Banken von den höheren Einlagenzinsen profitieren. Biallo möchte mit dieser Analyse aufzeigen, wie wenig verlässlich die Zinsanpassungen der Banken sind, was für viele Verbraucher zu einem mühsamen Zinshopping führt.
Unter den wenigen Banken, die die Zinserhöhung ernst nehmen, sticht die Ascory Bank mit einem Zinssatz von 2,50 Prozent für einen Anlagebetrag von 10.000 Euro hervor. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Bigbank und Revolut mit 2,25 Prozent sowie Cosmos Direkt mit 2,20 Prozent. Im Vergleich dazu liegen die überregionalen Banken im Durchschnitt bei 1,36 Prozent, während Volks- und Raiffeisenbanken nur 0,49 Prozent und Sparkassen sogar nur 0,44 Prozent bieten.
Für Verbraucher ist es entscheidend, sich die Zinsen genau anzusehen. Wer 10.000 Euro zu einem Zinssatz von 0,44 Prozent anlegt, erhält am Ende des Jahres gerade einmal 44 Euro Zinsen. Bei einem Zinssatz von 2,50 Prozent könnten es hingegen 250 Euro sein. Mit der Inflationsrate, die im Juni bei 2,3 Prozent lag, wird deutlich, dass Zinsen unterhalb dieser Marke bedeuten, dass das Geld real an Wert verliert. Die Notwendigkeit, die besten Angebote zu vergleichen, war nie wichtiger.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Banken ihre Verantwortung gegenüber den Kundinnen und Kunden nicht ausreichend wahrnehmen. Während die EZB versucht, die Wirtschaft zu stimulieren, bleibt die Frage, wie lange die Banken noch zögern werden, diese Vorteile an die Verbraucher weiterzugeben.
mit dpa